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migrant bauhaus

2009.09.26

Am 21. September begann in Berlin die internationale Konferenz “bauhaus global”, die am 25. und 26. September nach Dessau kommt. Hier wird sie am Ort des historischen Bauhauses unter dem Titel “migrant bauhaus” fortgesetzt.

Das Bauhaus bündelte unterschiedlichste internationale Strömungen und musste sich auf Grund der erzwungenen Migration in ständig veränderten Kontexten neu erfinden. In Dessau gehen wir der Frage nach, inwieweit migrierende Institutionen wie das Bauhaus, die die veränderte Praxis der kulturellen Produktion zur Grundlage ihrer Existenz machen, Vorbildcharakter für heute haben? Zum Abschluss der Konferenz zeigen die drei Direktoren der deutschen Bauhaus-Institutionen auf, was es bedeutet, wenn das Bauhaus mit der Konferenz wieder “nach Hause” kommt.

Am Samstag, den 26. September, bieten wir dazu Exkursionen von 10 bis 13 Uhr zu drei Dessauer Bauhaus-Bauten (Meisterhäuser, Arbeitsamt, Siedlung Törten) an. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Bauhausgebäude, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau – die Teilnahme ist kostenfrei.

Wir laden Sie herzlich ein, an der Konferenz in Dessau teilzunehmen, und würden uns sehr freuen, wenn wir Sie hier im Bauhaus begrüßen dürften.

Presse und Kommunikation
Stiftung Bauhaus Dessau

Dessau: Letzter Aufruf Meisterhäuser

2009.09.23

Meisterhaussiedlung Direktorenhaus Gropius, 2009Meisterhaussiedlung Direktorenhaus Gropius, Modell

Neuer Wettbewerb für Bauhaus-Meistersiedlung – Stadt lässt sich von David Chipperfield beraten
erstellt 14.09.09, 15:52h, aktualisiert 14.09.09, 19:19h

DESSAU-ROSSLAU/MZ. Die Stadt nimmt wieder einmal eine Kurve in der Suche nach einer Lösung für das im Krieg teilzerstörte Dessauer Meisterhausensemble. Nachdem im vergangenen Jahr der groß angelegte Architektenwettbewerb ohne einen ersten Preisträger zu Ende und jüngst vollends über die Wupper ging, als die beauftragten Schweizer Architekten den Rückzug antraten, will man jetzt mit “drei bis fünf” Architekten einen letzten Versuch starten. Eine Arbeitsgruppe soll sie bis Jahresende für einen beschränkten Wettbewerb auswählen, um bis 2011 bauen zu können – oder auch “in der Zeit, die es braucht”, wie Bauhauschef Philipp Oswalt beschwichtigt.

Letzterer gehört unter anderen neben dem 2009 ernannten Baudezernenten Joachim Hantusch (SPD) zu den neuen Gesichtern, die im Arbeitskreis zu sehen sein werden. Überdies versichert man sich eines ehrenamtlichen Beraters in Gestalt von David Chipperfield, britischer Architekt des viel beachteten Umbaus des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel.
Mit Landeskonservatorin Ulrike Wendland ist in der Gruppe aber auch eine der Hauptverantwortlichen für den gescheiterten Wettbewerb vertreten. Und Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) lässt erklären, die “interessanten Lösungen” des Wettbewerbs würden “engagiert weiterverfolgt”.
Allerdings unter Beachtung von Einsichten, die ihm, wie auch der Arbeitsgruppe, Chipperfield gewiesen habe. Der ist in der umstrittenen Frage, wie viel von den zerstörten Bauten originalgetreu nachgebaut, wie viel frei gestaltet werden kann, zu der für alle offenbar frappierenden Erkenntnis gelangt, dass die Doppelhaushälfte Moholy-Nagy eine “architektonische Reparatur”, das bis zum Souterrain erhaltene Haus Gropius dagegen eine “städtebauliche” erfordere.
Will heißen, dass das Doppelhaus genau wie sein Pendant aussehen müsse, das Haus Gropius dagegen “größere Freiheitsgrade” ermögliche. So ungefähr war freilich schon die Wettbewerbsvorlage zu verstehen. Während Olbertz daraus den Schluss zieht, die originalgetreue Rekonstruktion des Gropiushauses sei “vom Tisch”, gleicht die frisch formulierte Vorgabe der Arbeitsgruppe einem Eiertanz.
Bei den Gebäuden müsse gegenüber den Originalen das bauliche Volumen, die Farbigkeit (weiß) und der Rhythmus der Fenster und Türen eingehalten werden, jedoch sollten auch “unterschiedliche Zeitschichten lesbar” und die Ergänzung “erkennbar” bleiben. Wie die Architekten des neuen Wettbewerbs aus dem Dilemma überzeugender herauskommen wollen als die des alten, wird man sehen. Entscheidend ist aber, dass die Stadt jetzt einer kompletten Rekonstruktion offener gegenüber steht, dies gesichtswahrend aber nicht so sagt. Sie hat nämlich – erstaunlicherweise erst nach so vielen Jahren – “erstmals ein Nutzungskonzept”, so Hantusch.
Demnach ist keine Rede mehr von einem Besucherzentrum im Gropiushaus, das an einen Ort nahe am Bauhaus ausgelagert werden soll. Im Gebäude könnte dagegen die Entstehungsgeschichte dargestellt und die Gropiussche Musterwohnung eingerichtet werden.
Ist darunter eine Rekonstruktion des Grundrisses zu verstehen? Eine Frage, die Oswalt mit baurechtlichen Einwänden beantwortet, die bisher keine Rolle spielten: Bei einem de facto-Neubau müssten zum Beispiel Aufzüge eingebaut, auch die Geländer der Balkone höher gezogen werden als die der 20er Jahre.
Interessanterweise räumt er aber das Argument vom Tisch, das Frau Wendland in ihrer damaligen Wettbewerbsvorgabe hervorgehoben hatte: Dass es kein ausreichendes Quellenmaterial für den Ursprungsbau gebe.
“Wesentlich bessere Voraussetzungen, sich dem Urzustand anzunähern” sieht auf Anfrage jedenfalls auch Michael Petzet, Präsident der Denkmalschutzorganisation Icomos, die die Unesco in Fragen des Weltkulturerbes berät. “Irgendwelche Experimente” würden wohl auch weiterhin keine Zustimmung finden – eine Wortwahl in deutlichem Kontrast zu Olbertz, der in der Aufgabe eine “Aufforderung zum Experimentieren” versteht, getreu des Ideenwettstreits am historischen Bauhaus.
In den Volten der Meisterhausdebatte erlangt so auch der Faktor Zeit einen neuen Stellenwert. Nur die Ruhe, sagt Oswalt: “Wir wollen ein Ergebnis, von dem man auch in 20 Jahren sagen kann: Toll, dass wir es haben.” Dass so viele Experten, Wettbewerbe und Diskussionen nicht längst zu dem Ergebnis kommen konnten, das sich nun andeutet, dafür gibt Ulrike Wendland ihre ganz eigene Begründung: “Wir bauen eben nicht mehr wie zu Zeiten, als der König mit seinem Architekten selbst entscheiden konnte. Es braucht Zeit in der Demokratie.”

Stiftung Bauhaus Dessau

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